Niederlage in der "Höhle der Löwen"

Sonntag, den 15. Oktober 2017 um 12:50 Uhr

USC verliert gegen Favorit Mitteldeutschland und präsentiert sich kampfstark


In einem phasenweise hochklassigen Match unterliegt der USC Braunschweig Meisterschaftskandidat Mitteldeutschland. Das Team um Kapitän Johannes Gottschall bewies bei der 1:3 Niederlage erneut Kampfgeist, haderte anschließend aber mit den eigenen Ansprüchen.

Volleyball lebt wie kaum ein anderer Mannschaftssport von Emotionen. Die Athleten müssen sich zügeln, können überschüssige Energie nur am blau-gelben Spielgerät auslassen. Das Spielfeld wirkt da manchmal wie ein neun mal neun Meter großer Käfig, in dem das Spielgeschehen wie das Rütteln an Gitterstäben ist.

Braunschweig, ausgerechnet und passend zum Bild als „Löwenstadt“ bezeichnet wird, erlebte am Samstag ein gerütteltes Maß an Emotionen. In der vergangenen Saison von den Gastgebern zwei Sätze lang „durchgeschüttelt“, wollten die Gäste aus der Region Halle-Leipzig sich nicht wieder wie an der Leine durch die Manege führen lassen. Und das merkte man dem Team von Trainer Mircea von der ersten Minute an. Dabei wurden die Mitteldeutschen aber, mehr als denen lieb war, von den Braunschweigern unterstützt: Mit einer fast zweistelligen Fehlerquote im Aufschlag machten die es dem Favoriten beim 20:25 mehr als leicht.

Genau das, so Braunschweigs Trainer Weber, habe man vermeiden wollen. Betonte dies beim Seitenwechsel inständig, verlangte „Kampfgeist mit Köpfchen“. Und seine Worte verfehlten die Wirkung nicht. Schon das Ergebnis von Satz zwei drückt aus, wie stark das Spiel zu dem Zeitpunkt auf Messers Schneide stand: 25:23. Mitteldeutschland stemmte sich gegen das „Trauma“ der Tunica-Halle aus der letzten Saison. Braunschweig, lautstark vom Publikum unterstützt, wusste, dass es einen weiteren Satzverlust kaum hätte egalisieren können.

Der CVM war gewarnt, zeigte zeitweise Nerven. Spätestens als sich Kapitän Lukas Szablewski und Diagonalspieler Chris Warsawski über nicht immer ganz regelkonformes Jubeln der Gegenüber lautstark echauffierten, lagen eben jene blank. Die Gastgeber verstanden das aber nur wenig zu nutzen. Immer wieder scheiterten sie am Block der Mitteldeutschen. Oder an sich selbst, wenn der Angriff in der Endphase der Sätze nach starken Abwehraktionen im Netz oder Nirgendwo landete. Mit 19:25 und 21:25 zogen sie in zwei kurzweiligen Sätzen den Kürzeren.

Fels in der Brandung: der jüngste, Libero Nils Schnalke. Für den verletzten Simon Kraftschik ins Team gerückt, blieb er in der Annahme nahezu fehlerlos und entschärfte die Angriffe der Aufstiegskandidaten,die unter Profibedinungen trainieren, ein ums andere Mal. Die Medaille für den Most Valuable Player musste er Außenangreifer Marvin Koch überlassen. Der haderte, wie mehrere im Team, laut Trainer Weber mit den eigenen Ansprüchen. „Wir haben heute Chancen liegen gelassen und zu viele Eigenfehler gemacht. Das ärgert mich und die Spieler am meisten“, bilanzierte der Coach und zeigte sich dennoch als fairer Verlierer: „Mitteldeutschland hat deshalb und auch dank besserer Kondition verdient gepunktet.“

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(Foto: Stefan Salzmann)

Aktualisiert ( Sonntag, den 15. Oktober 2017 um 23:54 Uhr )
 

Zwei Welten durch einen Punkt getrennt

Samstag, den 07. Oktober 2017 um 07:00 Uhr

USC Braunschweig empfängt Top-Favorit Mitteldeutschland auf Rang drei

Tatort Tunica-Halle. „Ein Ball fehlt noch“, tönt es aus dem Geräteraum. Alles schwärmt aus. Kurze Zeit später ist das blau-gelbe Spielgerät, aber längst nicht das Ende der Veranstaltung gefunden. „Wie sieht es mit den Salaten aus?“, der nächste Auftrag folgt auf dem Fuße. „Simon?“, Simon hat den Salat.

Was wie das Orga-Team von Dynamo Nowgorod auf Studienreise durch Norddeutschland klingt, ist das Volleyball Bundesliga-Team des USC Braunschweig bei der Vorbereitung auf das nächste Heimspiel. Trainer Markus Weber teilt am Mittwoch vor dem „Gipfel“ gegen die Chemie Volleys Mitteldeutschland aus und ein. Jeder der Spieler, die zu großen Teilen aus der eigenen Jugend stammen, hilft nach Kräften. „Ohne dass alle mit anfassen, würde es nicht funktionieren“, führt Weber aus. Wie in einer großen Familie sei das. Er selbst hat die Regie fürs Catering übernommen – und stimmt nach dem sportlichen und gastronomischen Teil der Vorbereitung gegen 22:15 Uhr noch kurz den Matchplan mit dem Co-Trainer ab.

Beim Gegner am Samstag herrscht ein ganz anderes Regiment. Zahlreiche Spieler von Trainer Mircea Dudas sind Profis oder Halbprofis, trainieren oft zweimal am Tag – bei den Braunschweigern müssen aufgrund von Studium und Beruf drei Trainingseinheiten die Woche reichen. Und dennoch trennt die beiden Teams derzeit nur ein einziger Punkt. Während aber acht Punkte auf dem Konto in Braunschweig als Polster für den Klassenerhalt betrachtet werden, waren die neun Punkte für Mitteldeutschland Pflicht, um im Aufstiegskampf mitzumischen.

Und die unterschiedliche Sicht der Dinge von beinah gleich hohem Rang in der Tabelle aus ist nicht der einzige Unterschied: Der CVM machte vor Kurzem mit einem souveränen 3:1 Sieg im Sachsen-Anhalt-Derby gegen Bitterfeld von sich reden. Die Braunschweiger offenbarten nach zwei beinahe glatten Erfolgen beim 3:2 in Bocholt kleine Schwächen, hatten sogar einen Matchball gegen sich. Was Trainer Weber wenig betrübt, im Gegenteil: „Dass wir nicht aufstecken, zeichnet uns diese Saison aus“, befand der 51-jährige. Man habe aus der Vergangenheit gelernt und gezielt an Schwächen gearbeitet. Aufschlag und das Umschalten von Abwehr auf Angriff standen dabei im Fokus. Der wird gegen den großen Favoriten am Wochenende nicht verschoben: „Als Außenseiter können wir am Samstag nur gewinnen. Trotzdem ist es eine Standortbestimmung, die wir bestehen wollen“, gab Weber die Devise aus.

Mitteldeutschland, aus dem Erstligisten Volleyballclub Bad Dürrenberg / Spergau hervor gegangen, hat da ganz andere Sorgen – und damit ist nicht die Änderung des einst schwer zu merkenden Namens gemeint. Das Team aus der Region Halle-Leipzig fährt nach Braunschweig wie beinahe nach überall mit der vermeintlichen Bürde des hohen Favoriten – bewältigte die aber bislang und in der vergangenen Saison standesgemäß. Da wurden sie am Ende Meister. Und Braunschweig? Die meisterten den Klassenerhalt erst nach Ende des Klassements. Verkehrte Welten. Am Samstag um 19:30 Uhr treffen sie als Spitzenteams und Tabellennachbarn in der Tunica-Arena aufeinander.

Aktualisiert ( Sonntag, den 15. Oktober 2017 um 13:10 Uhr )
 

Das Team Zweite Liga für 2017/2018

Mittwoch, den 10. September 2014 um 16:31 Uhr